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Von der Neuroethik zum Neurorecht? Der Beginn einer neuen Debatte |
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| Hirnforschung |
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Die
Hirnforschung hat seit den 1990er Jahren, die zur Dekade des Gehirns
ausgerufen worden waren, viel Aufmerksamkeit erhalten. Das lässt sich
nicht nur an der exponenziell gestiegenen Anzahl wissenschatlicher
Arbeiten, sondern auch an der Zunahme geförderter Projekte und von
Berichten in den Medien erkennen. Im populärwissenschaftlichen Bereich
gibt es inzwischen eine Fülle von Büchern, welche die Ergebnisse der
Hirnforschung auf Alltagsfragen beziehen. Da geht es beispielsweise
darum, wie wir Menschen die besten Entscheidungen treffen oder wie
Schulunterricht durchgeführt werden soll, um den Lernerfolg zu
optimieren. Das gesteigerte Interesse an der Hirnforschung ist auch auf
ihre methodischen Fortschritte zurückzuführen. Die Verbreitung von
Kernspintomographen (siehe Abbildung links), um ein Verfahren besonders
hervorzuheben, ermöglicht es heute vielen Forschungsgruppen auf der
ganzen Welt, die Hirnfunktion von Versuchspersonen in den
unterschiedlichsten Bereichen zu untersuchen. |
Bei
der Einhaltung von Sicherheitsregeln gelten die starken Magnetfelder,
auf denen das Verfahren aufbaut, als ungefährlich. Gerade deshalb und
weil die Kernspintomographie die Untersuchung des gesamten Gehirns mit
einer vertretbaren zeitlichen und räumlichen Auflösung ermöglicht, ist
sie so beliebt. In einer ihrer Varianten lassen sich Veränderungen in
der Durchblutung des Gehirns untersuchen, die man mit neuronalen
Vorgängen in Zusammenhang bringt. Damit können für jede erdenkliche
Tätigkeit, die sich im Innern eines solchen Geräts ausüben lassen, neue
Fragen untersucht werden: Welche neuronalen Prozesse finden
im Gehirn statt, wenn die Versuchspersonen diese Aufgabe erledigen? In
welchen Regionen kommt es zu höherer Aktivierung? Die Ergebnisse lassen
sich statistisch so auswerten, dass Änderungen in der Hirnaktivierung
bei einer Aufgabe bestimmten Hirnregionen zugeschrieben werden (siehe
Abbildung rechts). Damit wurde das Projekt der Hirnkartierung
vorangetrieben, das Regionen im Gehirn bestimmte kognitive oder
emotionale Rollen zuweist. |
So
wurden grundlegende Bereiche des menschlichen Wahrnehmens, Denkens und
Fühlen untersucht. Von zunehmender Bedeutung ist das Verfahren auch für
die klinische Forschung: Lassen sich bei bestimmten psychiatrischen
oder neurologischen Erkrankungen Veränderungen in Hirnfunktion und
-struktur feststellen? Idealerweise ermöglicht neue Verfahren die
frühzeitige Erkennung und Behandlung dieser Erkrankungen, von denen
einige in unserer alternden Gesellschaft an Bedeutung zunehmen. Die
Entwicklung der Forschung wird von der Verbesserung der Technik
begleitet: Während in vielen Bereichen noch Kernspintomographen der
Stärke 1,5 oder 3 Tesla üblich sind, wird im Forschungszentrum Jülich
gerade ein Gerät der Stärke 9,4 Tesla in Betrieb genommen. Die
Abbildung links zeigt die Anlieferung des 57 Tonnen schweren und vier
Meter langen Magneten. Zur Abschirmung des von ihm erzeugten Felds,
188.000-mal so stark wie das natürliche der Erde, werden 870 Tonnen
Stahl benötigt. Damit wird deutlich, dass diesem Verfahren auch in der
zukünftigen Forschung eine große Rolle zukommen wird. Allerdings sind
diese Entwicklungen nicht nur im Bereich von Grundlagen- und klinischer
Forschung festzustellen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von
Anwendungen, die schon heute in den sozialen Bereich vordringen.
Beispiele hierfür sind das so genannte Neuromarketing, mit dem das
Kaufverhalten untersucht und beeinflusst werden soll, Forschung zur
Lügenerkennung oder zur Identifizierung bestimmter Merkmale, die auf
die Gefährlichkeit einer Person hinweisen könnten. Angesichts dieser
Möglichkeiten ist es erstaunlich, dass eine Diskussion über die gesellschaftlichen, ethischen und rechtlichen Aspekte
bisher kaum stattfindet. Stattdessen wurde die Diskussion in den
letzten Jahren von der eher metaphysischen Frage der Willensfreiheit
dominiert und ist auf die tatsächlichen Einsatzmöglichkeiten der
Hirnforschung nur unzureichend eingegangen. |
| Copyright-Hinweis: Bei Abbildungen 1 und 3 handelt es sich um Siemens-Pressebilder. |
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2009 by Stephan
Schleim, letzte Änderung 24.01.2010 Stephan Schleim, M.A., Aweg 25-1, 9718 CV Groningen, The Netherlands; E-Mail: stephan at schleim punkt info Haftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehme ich keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich. |